8. Adventsfenster

Auch der Tod gehört zum Leben

Im Philosophie-Unterricht hatten wir das Thema Leben und Tod. Wir haben in kleinen Gruppen Vorträge vorbereitet, die dann in der Klasse gehalten und diskutiert wurden.

Wie unterschiedlich der Tod erlebt werden kann, zeigt das Märchen vom „Totenhemdchen“ der Gebrüder Grimm (in der Schreibweise von 1867):

Es hatte eine Mutter ein Büblein von sieben Jahren, das war so schön und lieblich, daß es niemand ansehen konnte ohne ihm gut zu sein, und sie hatte es auch lieber als alles auf der Welt.totenhemdchen1

Nun geschah es, daß es plötzlich krank ward, und der liebe Gott es zu sich nahm; darüber konnte sich die Mutter nicht trösten und weinte Tag und Nacht.

Bald darauf aber, nachdem es begraben war, zeigte sich das Kind Nachts an den Plätzen, wo es sonst im Leben gesessen und gespielt hatte; weinte die Mutter, so weinte es auch, und wenn der Morgen kam, war es verschwunden. Als aber totenhemdchen2die Mutter gar nicht aufhören wollte zu weinen, kam es in einer Nacht mit seinem weißen Todtenhemdchen, in welchem es in den Sarg gelegt war, und mit dem Kränzchen auf dem Kopf, setzte sich zu ihren Füßen auf das Bett und sprach „ach Mutter, höre doch auf zu weinen, sonst kann ich in meinem Sarge nicht einschlafen, denn mein Todtenhemdchen wird nicht trocken von deinen Thränen, die alle darauf fallen.“

ohne-titel-3 Da erschrack die Mutter, als sie das hörte, und weinte nicht mehr. Und in der andern Nacht kam das Kindchen wieder, hielt in der Hand ein Lichtchen und sagte „siehst du, nun ist mein Hemdchen bald trocken, und ich habe Ruhe in meinem Grab.“ Da befahl die Mutter dem lieben Gott ihr Leid und ertrug es still und geduldig, und das Kind kam nicht wieder, sondern schlief in seinem unterirdischen Bettchen.
totenhemdchen4(aus https://de.wikisource.org/wiki/Das_Todtenhemdchen_(1857), Kinder- und Haus-Märchen Band 2, Göttingen: Dieterich 1857)

Wer noch mehr wissen will, liest weiter:
Wir haben zum Beispiel bemerkt, das in vielen Religionen der Glaube verbreitet ist, dass die Seele in den Himmel kommt (wenn der Mensch gut gewesen ist), und in die Hölle (wenn der Mensch schlecht gewesen ist). Das ganze Thema fanden wir sehr interessant und informierend, da wir erfahren haben, wie das aus dem Blick anderer religiöser Überzeugungen aussieht.
Im Glauben afrikanischer traditioneller Religionen ist ebenfalls der Tod nicht das Ende, sondern ein Übergang in eine andere Welt, in die Welt der Ahnen. Dieser Übergang ist aber erschwert, wenn man einen schlechten Tod erleidet. Gemeint ist ein Tod durch Ertrinken, Selbstmord oder einen Autounfall. Hingegen ein guter Tod verhilft der Seele ins Todesreich, etwa, wenn der Mensch friedlich und ruhig stirbt. In jedem Fall ist Sterben nach afrikanischer Überzeugung eine positive Sache, weil der Mensch von Schmerzen und Kränkung befreit ist.

Tahir, Muhammed, Natalie, Hilal, Timea, Dilara, 9b