2. Adventsfenster

nisranders1Nach der Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst

Liebes Tagebuch,
spät am Abend sah ich plötzlich ein Wrack auf dem Meer, das durch den heftigen Sturm hin und her schaukelte . Beim genaueren Hinsehen traf mich der Schock! Am Mast des Schiffes hing noch ein Mann. Ich musste ihn retten. Ich sammelte all meinen Mut und trommelte meine Freunde zusammen.nisranders2 Furchtlos stimmten alle zu, was mich sehr erleichterte. So wollten wir sieben ins Boot steigen, doch meine Mutter flehte mich traurig und verzweifelt an hier zu bleiben. Ich konnte meine Mutter verstehen, denn ich war der einzige, der ihr noch geblieben war. Mein Vater und mein Bruder Momme waren ertrunken und mein Bruder Uwe verschollen. Ich war schon besorgt, dass uns was passieren könnte, aber im Moment war das Leben des Mannes wichtiger und so ignorierte ich meine Mutter und stieg ins Boot. Je näher wir dem Wrack kamen, desto stärker wurde das Kribbeln in meinem Bauch. Verwirrt dachte ich, es sei die Aufregung und die Angst. Schnell halfen wir dem Mann. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, da seine langen Haare ihm ins Gesicht fielen. Aber ich hatte das Gefühl, als ob wir uns seit Jahren kannten. Nun strich er sich die Haare aus dem Gesicht und mir blieb die Spucke im Hals stecken! Ich konnte mich nicht bewegen und starrte ihn einfach nur an: Mein Bruder Uwe stand vor mir! Voller Freude umarmte ich ihn, nachdem ich mich aus meiner Starre gelöst hatte. Freudentränen liefen mir übers Gesicht und ich lachte herzhaft auf.

Ilenia, 7c